Yoga als Weg

Der Yoga kann als Weg der persönlichen Entwicklung gesehen werden, wenn wir etwas weiter denken als nur an den Nutzen, der uns aus der Übungspraxis entstehen kann. In jedem Menschen ruhen Entwicklungsmöglichkeiten, die er ganz eigenständig ergreifen kann.

So stehen für mich die Aktivierung der eigenen Potentiale und die Förderung der Eigenständigkeit im Vordergrund meiner Unterrichtstätigkeit. Die Anleitungen sind klar und sachlich gehalten, sodass das Bewusstsein sich orientieren und die eigene Ausführung leiten kann.
Dadurch wird einerseits das Bewusstsein gestärkt und gleichzeitig ergeben sich darüber hinaus ganzheitlich gesundheitsförderliche Aspekte in Bezug auf die Psyche, die Lebenskräfteverhältnisse und den Körper: Eine geordnete Bewusstseinsaktivität stabilisiert und beruhigt das Nervensystem und fördert daher das Selbstempfinden genau in seiner Mitte und ermöglicht gleichzeitig einen freieren Blick auf den Gesamtzusammenhang.

In der Folge dieser ruhigeren Bewusstseinssphäre regenerieren spürbar auch die Lebenskräfte in einer harmonischen Weise und insgesamt fällt über die vorstellende und zugleich wahrnehmende Bewusstseinstätigkeit auch der Zugang zum Körper leichter und die Bewegungen werden einerseits weicher und gleichzeitig exakter. Mit der Zeit entstehen so durch den aufmerksam geführten Bewegungsablauf durchgestaltete Formen, die jedoch nicht in eine Körperfixierung führen, sondern der dynamische Ausdruck des freien Bewusstseins sind.

Eine aktive Auseinandersetzung mit Gedanken und Inhalten setzt den Wunsch nach kreativer Lebensgestaltung voraus. Damit ist jedoch mehr als nur unser persönliches Dasein gemeint: Als Menschen stehen wir nicht isoliert, wir bewegen uns stets in unterschiedlichsten sozialen Zusammenhängen, im Kontext von Zeit und Raum. In einer immer komplexer und anspruchsvoller werdenden Gegenwart, stellen sich nicht selten auch die Fragen nach Ursprung und Ziel.

Yoga war in alten Zeiten ein Weg der Rückbindung an die kosmischen Ursprünge.
Den Übungen liegen daher Erkenntnisse zugrunde, die über das individuelle und körperliche Dasein hinaus auf Zusammenhänge verweisen, in denen wir uns als Menschen bewegen. Die Vorstellungen dieser durchaus geistigen Ebene sind uns heutzutage nicht mehr so leicht zugänglich.

Wir benötigen daher heute zeitgemäße Formen für Wege, die den Menschen in der Entwicklung eines tieferen und dennoch konkreten Bewusstseins fördern. So sind wir heute vielmehr gefordert, uns bewusstseinsmäßig zu orientieren und in Anbetracht von weitreichendsten äußeren Einflüssen durch Medien und gesellschaftliche Vorgaben, die immer mehr hin zu einer Automatisierung, Standardisierungen und Digitalisierung von Abläufen und damit einer seelischen Verflachung führen, benötigen wir neue Ansätze, wie das Bewusstsein überhaupt eigenständig begriffen werden kann. Eine innere aktive Regsamkeit muss vielfach erst wieder geschaffen werden und gleichzeitig leben wir in einer Zeit, in der dies freiheitlich möglich ist.

Dabei geht es mir weniger um das Aufsuchen dessen, was an Erfahrungsschätzen bereits in uns ruht und uns vielfach etwas zurückhält, sondern vielmehr ist es mir ein Anliegen einen neuen Ansatz zu schaffen, unabhängiger und freier vom Bisherigen. In den Übungen können wir zunächst unsere Empfindungen anhand von klar geführten Gedanken ganz neu entwickeln und dadurch zunehmend wachsamer und freier die Bewegungen gestalten.
Die darin liegende Bedeutung sehe ich in einem eigenständigeren, wachsameren und freieren Umgang mit dem Leben allgemein. Yoga ist somit für mich nicht in erster Linie ein Weg in mein Inneres, sondern vielmehr aus mir heraus ein Weg, der in einen sozialen Zusammenhang der Menschlichkeit, und damit auch in einen seelisch-geistigen Zusammenhang führt..

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Hier können beispielhaft zwei wesentliche Bewegungsrichtungen beschrieben werden, die das menschliche Bewusstsein einnehmen kann: Eine Bewegung hin zur Erde und eine in den weiten Raum des Kosmos.

Die Schale symbolisiert den Weg zur Welt, das sich Öffnen für die irdischen Gegebenheiten, das Zugehen auf die Mitmenschen, gleichzeitig besteht jedoch auch die Möglichkeit, sich höheren Idealen und Vorstellungen zuzuwenden, die einer seelisch- geistigen Realität entsprechen, und diese ins Leben zu integrieren- dies sei durch den aufstrebenden Bogen dargestellt.

Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld:
Wie können wir gut im Leben stehen und dabei gleichzeitig den Fragen nach unserer nicht materiellen Natur nachgehen?

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In der asana “Halbmond- anjaneyasana” orientiert sich der Übende einerseits mit einer weichen Bewegung durch die zentrierte Beindynamik Richtung Boden, gleichzeitig wird der Oberkörper frei für die formende Bewegung der Rückbeuge.

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